Eine abenteuerliche Reise

Notfall auf einer Reise - bereite dich vor

Eine Reise kann auch in einer Katastrophe enden - oder von Anfang an als eine solche bezeichnet werden.

Eine Gruppenreise auf engstem Raum mit Leuten die man nicht kennt - o je. Auf was habe ich mich da eingelassen? Schwierigste hygienische Verhältnisse. Magenverstimmung, Hexenschuss, Fuß verstaucht, Zeckenbiss, Gerüche und Geräusche, Klaustrophobie, Kreislaufzusammenbruch, Psychosen, seltsame Leute. Das war alles mit im Schlafbus. Und ich mittendrin.

Abenteuer der besonderen Art

Einmal reicht. Anatolien ja, Rotel nein.

Also wirklich, es war in Bezug zur Unterbringung und der Verpflegung ein Albtraum. Die sanitären Möglichkeiten waren nicht vorhanden. Eine Taschenlampe war lebensnotwendig. Die Küche unten li. klebte vor Dreck, alles war hoffnungslos unhygienisch. Die Schlafgelegenheiten waren übereinander gestapelte Fächer aus 19mm dünnen Pressspanplatten, vielfach ausgerissen und wieder zusammengeschustert. 65cm breit, 2m lang und 75cm hoch. Am Kopfende gab es ein Fenster. Mit meiner damaligen Leibesfülle konnte ich es leider nie öffnen. Ich kam mir vor wie eine zu dicke Raupe in einem zu kleinen Kokon. Ein Sarghotel in Tokio ist der reinste Luxus dagegen. Auf dem Boden des Schlaf-Fachs lag eine 10cm dünne durchgelegene Schaumstoffplatte und eine abgewetzte Decke plus Bezug. Wenig vertrauensvoll.
Die Mitreisenden halfen bei der Kochvorbereitung und aufräumen und beim Schlafzelt auf-und abbauen. Alles Andere hatte der Fahrer alleine zu bewerkstelligen. Fahren, Koffer ausladen, einladen, einkaufen, kochen und natürlich den Papierkram zu erledigen. Gekocht wurde mit Gas. Strom gab es abends über 1 EINE 3er-Steckdose für 38 Leute. Ich war nicht skrupellos und reich genug, für mich und einige andere Personen gab es nie Strom. Ich hatte mich schon gewundert bei der Anreise, hatten die Mehrfachmitfahrer doch einen Schlafsack, Isomatte und Luftmatratze im Gepäck. Die landschaftlichen Eindrücke waren bombastisch. 2011 Rundreise Osttürkei und Anatolien. Der Reiseleiter, ein türkischer eingebildeter "Gelehrter", konnte viel über das Land erzählen. Er behandelte uns Frauen wie Kleinkinder oder ein notwendiges Übel. Auf dieser langen Reise habe ich gelernt, was in meinen Rucksack gehört. Ich sage nie wieder: was ich nicht habe, brauche ich nicht. Zum Glück war die nächste Stadt nie weit weg. Was ich nicht hatte, konnte ich mir kaufen. Was ich am meisten vermisste? Ein kleines Solarpanel um Batterien aufzuladen fehlte mir.

Impressionen der Rundreise

Tagesziel erreicht. Anhänger mit aufgebautem Vorzelt. Im Vorzelt standen nachts alle Hand-Gepäckstücke und Rucksäcke. Die waren tagsüber in den Schlaffächern untergestellt. Wer morgens vergessen hat, etwas mit zu nehmen, kam erst abens wieder an sein Gepäck. Auf dem Parkplatz vor einem Hotel. Ich hatte mir ein Hotelzimmer gemietet für diese Nacht.
Auf einem Parkplatz in Anatolien, an einer Tankstelle im Windschatten des Hängers. Es kostete mich wahnsinnige Überwindung draussen zu schlafen. Niemand hätte mir was getan, dessen bin ich mir im Nachhinein sicher. Jeden 3. Tag schleppte der Fahrer sämtliches Gepäck vom Bus nach draussen. Wir packten dann das Benötigte für die nächsten Tage um. Spickzettel waren im Handgepäck immer dabei. Im Jahr nach der Reise habe ich mir mein eigenes Anatolien-Gedächtniszelt im Garten aufgebaut. Vor Allem habe ich seitdem einen großen Respekt vor dem Mut der Obdachlosen, alleine im Park zu schlafen. Sie sind der Willkür einer verrohten Gesellschaft ausgesetzt. Die Buschcamper sind nicht hilflos und sie machen das aus Spaß.