unvergessen

Opi, Sultan, Carla, Daisy

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Opi - alter Dackelsturkopf

Opi war ein alter Struppsack.
Opi war ein alter Struppsack. Sein Fell war verfilzt und verfoht. Faule Zähne. Hört nicht, sieht nicht, geht keiner Herde nach.

Er kam 2003 zu uns. Opi entdeckten wir zufällig am Tag der offenen Tür im gleichen Tierheim, aus dem auch Scully stammt. Er war fast blind und lag mit gebrochenem Kiefer im Ziegenstall. Opi bellte sich die Seele aus dem Leib, weswegen man ihn dort eingesperrt hatte. Die Besucher sollten den Hund nicht zu sehen bekommen. Aber ich war schon immer neugierig. Zu fressen bekam Opi Trockenfutter. Eine Wasserschüssel entdeckten wir nicht.
Heute sage ich, dass die damalige Tierheimleiterin eine verantwortungslose Person war. Ich würde mich gerne deutlicher ausdrücken. Niemals wurde die wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz belangt. Im Gegenteil: RTL verlieh ihr eine Urkunde wegen besonderer Menschlichkeit. Wer alles hat absichtlich bei dem Elend weggeschaut? Vielleicht hat auch keiner überhaupt hingeschaut. In der Zeitung stand damals: Dackel wachte 14 Tage neben seinem toten Herrchen. Er wurde ins Tierheim .... gebracht.
Opi war ein 16 Jahre alter Langhaardackel. Opis Geschichte ist tragisch.
Er war zusammen mit seinem alten Herrchen angefahren worden von einem Auto. Fahrerflucht? Einen Polizeibericht gab es nicht. Anhand der Verletzungen nahm der Pathologe an, dass der alte Mann das Opfer eines Unfalls war. Was genau passiert war, ist nicht mehr nachvollziehbar. Hund und Herrchen schleppten sich nach Hause und dort wurden beide nach 14 Tagen gefunden. Der alte Mann war tot. Opi wachte neben seinem Halter.
Opis Zustand war schrecklich. Struppiges verfilztes Haar, von Flöhen übersät, die Augen entzündet. Der ursprünglich schöne Schwanz sah aus wie ein zerrupfter Strohbesen.
Für mich war klar - diesem Elend musste ich ein Ende bereiten. Anstatt die Reporter aufmerksam zu machen, nahm ich Opi mit nach Hause.
Die Tierheimleiterin sagte wörtlich:" Sie brauchen mit ihm nicht zum Tierarzt zu gehen, es lohnt sich nicht mehr".
Spätestens hier hätte ich aufschreien müssen.
Am anderen Morgen stellte ich Opi der Tierärztin vor. Sie konnte es nicht glauben, dass ich Opi aus einem Tierheim befreit habe.
Opi hatte zudem Hodenkrebs im Frühstadium. Er wurde operiert, seine Zähne mussten komplett raus und der Kiefer wurde stabilisiert.
Die Rechnung musste ich abstottern.
Richtig wütend wurde ich, als ich in der Zeitung einen Artikel las über den Tag der offenen Tür im Tierheim.
Überschrift: Opi hat nach langer intensiver Suche ein neues Zuhause gefunden.
2 Tage später rief mich die Tierheimleiterin an. Sie wollte wissen, ob Opi eingeschläfert wurde. "Ach, Sie haben ihn operieren lassen? Warum haben Sie denn moch so viel Geld für den Hund ausgegeben?". Ich war sprachlos. Wie kann man so herzlos sein? Wie ist diese Frau überhaupt an den Job gekommen?
Einige Tage nach der Op ist Opi mit angelegter Kanüle am Bein aus der offenen Haustür entwischt und auf Erkundungstour gelaufen.
Es dauerte nur wenige Minuten bis ich das bemerkte.
In diesen wenigen Minuten hat eine Autofahrerin den Hund aufgesammelt und hat ihn umgehend ins Tierheim Augsburg gebracht. Sie machte sich nicht die Mühe, irgendwo zu klingeln. Ich denke mir, anstatt Hirnmasse waren da getrocknete Erbsen in der Hirnschale.
Wir suchten überall, gingen alles Staßen im Viertel ab, fragten jedem Nachbarn, aber Opi blieb verschwunden.
Im Tierheim landeten unsere Nachfragen auf einem Antwortbeantworter. Nach mehreren Stunden erst konnten wir Opi wieder abholen. Ich war sehr glücklich, als er als Zeichen der Freude mit dem Schwanz wedelte. Er war auch ein Zeichen für den Tierheimmitarbeiter, dass es wirklich UNSER Hund war.

Opi wurde mit der Zeit immer schöner. Die noch junge Scully wurde von ihm eifersüchtig bewacht. Opi überschätze sich, kein vermeintlicher Rivale war ihm zu groß. Es war ihm allerdings nicht vergönnt, ohne Leine zu laufen. Auf einem Spaziergang auf einer großen Wiese ist er einmal in eine Ackerfurche gestützt und hat sicher wie eine Zahnradbahn einen regelrechten Spurt hingelegt. Brauner Hund auf brauner Erde - und schnell wie der Blitz. Endlich wieder an der sicheren Leine, keuchte er wie eine Dampflok in den Kasseler Bergen. Nach einem halben Jahr glücklicher Hundezeit begann Opi zu kränkeln. Die durchgemachten Strapazen machten sich bemerkbar. Die Herztabletten linderten seine Beschwerden. Als Opi starb, war es eine Erlösung für ihn. Schon Tage vorher konnte er nicht mehr aufstehen.
Ich würde immer wieder auf die gleiche Weise handeln. Auch wenn sich die Mühe und die Ausgaben in der Augen mancher Menschen gar nicht lohnen.
Witzige Anekdote am Rande:
An einem schattigen Platz hatte Opi seine letzte Ruhestätte gefunden. Ich hatte das Grab mit einer Holzpalette abgedeckt. Irgendwann sollte diese dann als Blumenpodest bepflanzt werden. In den Sommermonaten beschäftigte ich eine Hilfskraft im Garten. Ich sah aus den Augenwinkeln heraus, wie er in Richtung Palette ging und sagte: „ Was soll denn der Schutt hier?“ Wie von einer Tarantel gestochen stob ich auf ihn zu und brüllte: „Lass die um Gottes willen so liegen, da liegt unser Opi drunter begraben“.
Das Gesicht von dem Mann vergesse ich ein Leben lang nicht mehr.

Alte Hunde als Therapiehunde für alte Menschen

Anni liebte die Hunde
Anni liebte die Hunde Nach einigen Wochen wurde aus dem Struppsack ein richtig schöner Dacjek. Scully war seine große Liebe. Wegen ihr legte er sich auch schon mal mit wirklich großen Hunden an.

Carla - Was Liebe alles vermag

Carla im Tierheim
Carla im Tierheim

Ich möchte Carlas Geschichte erzählen. Meine Mutter (damals 76 Jahre alt) wohnte ziemlich abgeschieden alleine in ihrem großen Haus im Saarland.
Sie hatte panische Angst vor Einbrechern. Die Angst konnte ihr auch die imposante Hündin Daisy (Berner Sennen-Mix) nicht nehmen. Mutter war im Winter 04 schwer auf den alten Bahngleisen gestürzt, als Daisy vorpreschte und Mutter die Leine nicht loslassen wollte. Die Bahnlinie wurde vor langen Jahren stillgelegt und ist seitdem ein beliebter Weg in die Wiesen und Felder.
Letztendlich konnte ich meine Mutter im Frühjahr 05 überreden, mir die Hündin und den Kater Moritz in Pflege zu geben und sich selbst in Augsburg operieren zu lassen. Daisy arrangierte sich mit der Zeit mit meiner eigenen Hündin Scully und den Katern Berti und Sammy. Nach einigen Wochen war klar, dass meine Mutter nicht mehr in der Lage sein würde, Daisy in ihrem Haus zu versorgen, sie sollte bei mir bleiben. Ich versprach Mutter einen neuen Hund, denn ohne Hund wollte sie nicht leben. Tagelang durchstöberten wir das Internet nach einem passenden Tier. Es war gar nicht so leicht, meiner Mutter einen Welpen auszureden. Und noch viel schwieriger war es, sie zu einem älteren Hund zu überreden. Fast hätte ich aufgegeben, da entdeckte ich Carla.
Ich war mir ganz sicher: die oder keine! Die Hündin hatte ein schweres Leben gehabt und wurde auf die in den Süd-Ländern übliche Weise entsorgt. Man hatte sie über den Zaun des Tierheims in Granada geworfen. Sie war krank und struppig und musste operiert werden. Eine liebe Frau nahm sie dann in Spanien in Pflege. Später erfuhren wir, dass man auf Carla auch mit der Schrotflinte geschossen hatte.
Meine Mutter lag noch im Krankenhaus, als ich im Juni 05 mit der Bahn zum Flughafen Frankfurt fuhr, um Carla abzuholen. Ich kenne mich gut aus dort, aber an diesem Abend war ich wie von Sinnen. Wie ein blindes Huhn bin ich auf dem Flughafen umher geirrt. Ich habe mich ständig verlaufen, hatte Angst, dass ich zu spät käme, dass ich vielleicht die Flugpaten nicht finden würde usw. Aber es ging alles gut. Das Flugzeug hatte Verspätung und mit mir wartete eine weitere Familie auf ihren Hund. Nachdem ich Carla in Empfang genommen hatte, suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen auf dem Flughafen und beäugten uns erst einmal. Carla war munter und hatte Hunger. Ich hatte Durst und war müde, es war ja schon spät am Abend.
In Stuttgart mussten wir umsteigen und auf den Nachtzug warten. Es war eine milde Nacht. Carla ging an der Leine mit mir den Bahnsteig auf und ab bis der Zug endlich kam. Wir sind im Abteil sofort eingeschlafen. Später hat Carla im Abteil ein Bächlein gemacht, zum Glück hat es niemand gesehen und es war auch ein Glück , dass ich mich mit reichlich Papiertaschentüchern eingedeckt hatte.
Als ich Mutter im Krankenhaus besuchte mit Carla, zeigte der Hund kein besonderes Interesse an Mutter. Sie war sehr enttäuscht, für Carla war ich eben die neue Bezugsperson.
Die Eingewöhnungszeit war schwierig. Carla war unsauber und futterneidisch. Mit den beiden anderen Hündinnen und den Katern gab es sonst keine Probleme. Carla fuhr von Anfang an sehr gerne im Auto mit. Sie ließ sich auch baden und machte erste negative Erfahrungen mit einem Schwan. Vögel zu jagen war ihre Leidenschaft.
Meine Mutter war insgesamt 7 Monate bei uns, ehe sie endlich halbwegs gesund nach Hause fahren konnte. Carla und Moritz nahm sie mit. Carla hatte zu Anfang die kleinen Nichten und Neffen in die Füße gebissen, sobald die Kinder sich bewegten. Vielleicht war sie in Spanien von Kindern gequält oder getreten worden. Man konnte es nicht wissen. Meine Geschwister waren nicht gerade begeistert von Carla. Nach einigen Wochen war Carla tagsüber sauber und ging den Kleinkindern aus dem Weg. Nachts konnte sie das Wasser nicht halten, manchmal schaffte sie es bis aufs Katzenklo. Trotz aller Rückschläge und Widernisse war Carla Mutters Liebling. Carla war wachsam und verträglich mit anderen Hunden. Mutter und Hund gingen jeden Morgen ins Dorf zum Einkaufen, dabei machte Carla um die Pferde auf der Koppel am Haus einen großen Bogen. Meine Mutter erntete viele Komplimente, weil aus der struppigen Carla mit der Zeit Prinzessin Carla geworden war. Ihr Haar war gewachsen , wurde dichter und seidig. Ihr Gang wirkte aristokratisch.
Trotzdem war Mutter nicht glücklich und trauerte um Daisy .
Die Hündin hatte sich gut bei mir eingelebt, es passte mir nicht, dass Mutter sie wieder haben wollte. Daisy sollte im Frühsommer ins Saarland umziehen. Das Gelände rund ums Haus meiner Mutter war eingezäunt worden und Daisy sollte den Tag dort über im Auslauf bleiben. Aber.......Mutter hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Daisy wollte nicht in den Auslauf. Sie bellte und jaulte sich die Seele aus dem Leib. Mutter legte sie an die Kette vor dem Haus, spazieren gehen konnte sie nicht alleine mit dem schweren Hund. Mein Gott, wie sehr tat Disy mir leid.
Nach nur 2 Jahren musste Carla eingeschläfert werden, sie hatte Krebs.
Nach dem Tod meiner Mutter hat sich ein Bruder um Daisy gekümmert, aber sie hatte sich schon aufgegeben und bald darauf ist sie gestorben.
Jetzt sind alle vier wieder vereint. (Mein Bruder ist im letzten Jahr verstorben). Ich hoffe es jedenfalls, dass Hunde auch in den Himmel kommen können. Petrus hat sicherlich gegen 2 liebenswerte aufmerksame Wachhunde nichts einzuwenden, dann könnte er auch mal zwischendurch ganz entspannt auf einer Wolke ein Nickerchen halten.

Mamas Liebling

Sultan - Mitleid ist oft kein guter Ratgeber

Alle meine Hunde hatten bei mir ein schönes Leben. Manchmal waren sie länger bei mir, manchmal kürzer.
Alle meine Hunde liebte ich, aber manchmal hätte ich vor der "Adoption" besser auf meinen Verstand gehört als auf mein Herz.
Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass die Vermittler ein gutes Geschäft gemacht und die entsprechenden Tierheime damit die Vermuttlerstatistik aufgewertet haben.
Sultan hatte ich aufgenommen aus Mitleid. Ich hatte meine Bedenken, htte mich aber überreden lassen.
Sultan hatte immer draussen gelebt. In jungen Jahren hatte er eine Familie, die ihn nicht mitnehmen konnte, als sie in eine kleine Stadtwohnunh zogen. Guten Glaubens haben sie ihn einem Mann übergeben, der gut für den Hund sorgen wollte.
Bei einem Kontrollbesuch fand die Familie kurz angebunden in einer Kiesgrube. Das Wasser stand hoch, er konnte keinen trocknenen Platzerreichen.
Sofort banden sie ihn los und brachten ihn nach Granada in ein gut geführtes Tierheim. Nach 1 Jahr hatte er sich aufgegeben. Über eine deutsche Tierhändlerin wurde ich auf Sultan aufmerksam. Er war im besten Alter, aber völlig kaputt. Das erzählte mir aber nicht als ich gefragt wurde, ob ich Sultan zu mir nehmen wollte. Es folgten lange Gespäche und mein Mitleid siegte schließlich über den Verstand. Sultan tat draußen das, was er gelernt hatte: nämlich ein guter Wachhund zu sein. Sultan war auch schlecht leinenführig und sehr wachsam. Zuviel für meine Nachbarn. Mit den anderen Hunden verstand er sich gut.
Ich wohne in einer gutbürgerlichen Siedlung. Jedes Haus hat einen sehr großen Garten. Der Garten wird auch von jeder Familie genutzt. Ich will damit sagen: es war die Hölle! Schnell merkte ich auch, wie krank Sultan war. Ich entfernte alle Teppiche aus der Wohnung und deckte die Couch mit Plasticfolie ab. Sultans Herz war schwach und nach einem Gehirnschlag konnte er nicht mehr aufstehen. Die Tierklinik konnte nicht mehr helfen. Das Leben in der Kiesgrube hatte seine Gesundheit ruiniert. Unser lieber Tierarzt schläferte ihn ein. Sultan wurde im Garten begraben. Dort wächst heute ein wunderschöner starker Baum.

Er wurde geliebt

Daisy - ohne Frauchen macht das Leben keinen Sinn

Daisy und Flohchen
Daisy und Flohchen

Über Daisy habe ich ja schon in der Geschichte von Carla erzählt. Sie stammte aus einer folgenschweren Begegnung von einer zierlichen Berner Sennenhündin und einem mächtigen Berhardiner. Beide Hunde waren nicht kastriert und das Dilemmer war groß, als die Hündin 8 Welpen gebar. 2 der Kleinen starben innerhalb weniger Stunden, die "musten weg", als sie 6 Wochen alt waren. Meine Mutter wurde vom Mitleid überwältigt und so nahm sie Daisy zu sich. Sie hielt sich in der Folgezeit an die völlig verantwortungslose Fütterungsempfehlung der Hersteller. Und Daisy wuchs zu schnell ähnlich wie eine arme gemästete Pute und jedermann sagte: o, die wächst aber schnell.
Daisy hatte einen merkwürdigen Gang. Es fiel kaum jemand auf, den Tierärzten erschien das auch nicht weiter ungewöhnlich. Sie waren wohl betriebsblind und befanden es niemals für nötig, den Hund zu röntgen. Arme Daisy. Sie muss ein Leben lang gelitten haben.